Die Geschichte des weissen T-Shirts

Queen Victoria – die Geburtshelferin des weissen T-Shirts

Nicht im schmucken Atelier eines ambitionierten Designers, sondern auf den verwitterten Planken eines Royal-Navy-Schiffes soll sich noch vor dem Jahr 1900 die Geburtsstunde des weissen T-Shirts zugetragen haben. Queen Victoria höchst persönlich meldete sich zur Inspektion an. Und weil der Kapitän befand, dass eine Horde Seemänner in verschwitzten, ärmellosen Leibchen, aus denen Achselhaare und Tätowierungen blitzen, kein königlicher Anblick sei, gab er den Befehl: Ärmel annähen! Der pragmatische Beschluss eines einfachen Mannes – und der Beginn eines neuen Kapitels im Geschichtsbuch der Mode.

Marlon Brando – Godfather of T-Shirt

„Endstation Sehnsucht“ – dieser Film von 1951 ist Sozialdrama, Südstaaten-Flair, Prüfungsstoff unzähliger Abiturjahrgänge, aber vor allem: Marlon Brando, im eng anliegenden weißen T-Shirt. Als ungehobelter Automechaniker Stanley Kowalski poltert er sich durch die Akte, die Brust leicht verschwitzt, die Hand lässig in der Hosentasche. Und wenn auch am Ende kein Zuschauer sein möchte wie er: so aussehen – bitte ja! Brando machte ein Stück Stoff salonfähig. Und wenn er auch in späteren Jahren als Pate in ganz anderen Zusammenhängen Geschichte schrieb, für die Modewelt bleibt er wohl immer: der Godfather of T-Shirt.

James Dean – Klassensprecher der Halbstarken

„...denn sie wissen nicht, was sie tun“ lautet der Titel seines bekanntesten Films. Doch modetechnisch, da wusste Berufsrebell James Dean in den Fünfzigern ganz genau, was er tat: Er brachte im knapp geschnittenen, weißen T-Shirt die Ladys um den Verstand. Das Kleidungsstück, das damals gerade so als Unterhemd durchging, kombinierte er mit verwegener Tolle und Kippe im Mundwinkel – fertig war die Uniform der Halbstarken-Generation. Der Kampf gegen das Establishment konnte beginnen. Und der gegen verschnarchte Modekonventionen sowieso.

Jean Seberg – die Werbebotschafterin

Mit Bubikopf und kokettem Augenaufschlag verkauft Nouvelle-Vague-Ikone Jean Seberg 1960 in „Außer Atem“ Tageszeitungen auf der Champs-Élysées – und verhilft dem T-Shirt ganz nebenbei zu einer weiteren Karriere. „New York Herald Tribune“ steht in großen Lettern auf dem Baumwollstoff über ihrer Brust: Noch heute erfreuen sich Werber und Menschen mit großem Mitteilungsdrang an diesem effektiven Einfall. Obwohl doch weniger meist so viel mehr ist.

Miami Vice – das Grauen mit kurzen Ärmeln

Mitte der Achtziger brachte ein Serienduo eine Modeerscheinung in die heimischen Wohnzimmer, die bis dato niemand kannte – und das genau genommen zu Recht: In weißen T-Shirts, kombiniert zu pastellfarbenen Sakkos und Lederslippern jagten Don Johnson und Philip Michael Thomas Verbrecher auf Miamis Straßen. Ohne dabei zu merken, dass sie selbst permanent gegen die wichtigste Regel überhaupt verstoßen: Zwischen T-Shirt und Jackett trägt ein Gentleman auf jeden Fall ein Hemd. Außer bei Mottopartys vielleicht.

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